Wie man Kakteen zum Blühen bringt: Ruhephase und Blühauslöser je nach Gattung
All ArticlesDamit ein Kaktus blüht, braucht er eine kühle, trockene und helle Winterruhe. Die meisten Wüstenkakteen bilden Blütenknospen erst nach acht oder mehr Wochen mit Kälte, ohne Wasser und bei kräftigem Licht, bei etwa 5 bis 13 Grad Celsius. Ein Kaktus, der den ganzen Winter über warm steht und gegossen wird, bleibt im Wachstum und blüht nicht. Auch Größe und Reife spielen eine Rolle.

Warum brauchen Kakteen eine kalte, trockene Ruhephase, um zu blühen?
Die Blüte wird durch den Jahreszeitenwechsel ausgelöst, und ein Kaktus erkennt diesen Wechsel an drei Signalen zugleich: kürzer werdende Tage, sinkende Temperaturen und ausbleibendes Wasser. Wenn der Herbst in den Winter übergeht, verlangsamt sich die Pflanze, stellt das Wachstum ein und lenkt ihre Energie von der Bildung von Körpergewebe auf die Anlage von Blütenknospen für das kommende Frühjahr um. Ohne diese Pause erhalten viele Arten nie den Anstoß zum Blühen.
Deshalb ist ein beheiztes, ständig gegossenes Zuhause genau der Ort, an dem Kakteen nicht blühen. Wenn Tag- und Nachttemperatur das ganze Jahr über kaum schwanken und der Topf auch im Winter gegossen wird, registriert die Pflanze nie, dass eine Jahreszeit vergangen ist, und wächst stattdessen weiter langsam vor sich hin, statt Knospen anzulegen. Die Ruhephase muss außerdem hell sein: Anders als ein Weihnachtskaktus verbringt ein Wüstenkaktus seine Winterruhe im vollen Licht, nur kalt und trocken. Stimmt die Ruhephase, blühen die meisten gesunden, ausgewachsenen Kakteen bereitwillig.
Wie groß muss ein Kaktus sein, bevor er blüht?

Über den Zeitpunkt der ersten Blüte entscheidet vor allem die Größe, nicht das Alter. Eine Pflanze muss einen bestimmten Mindestdurchmesser erreichen, bevor eine Blüte überhaupt physisch möglich ist, und dieselbe Gattung blüht Jahre früher, wenn sie schnell und kräftig wächst. Die kleinen kugelförmigen Gattungen erreichen diesen Punkt rasch: Gymnocalycium und die Warzenkakteen der Gattung Mammillaria blühen meist innerhalb von drei Jahren, Rebutia kann bereits mit zwei Jahren blühen.
Langsame Gattungen lassen einen warten. Astrophytum blüht, sobald es wenige Zentimeter Durchmesser erreicht, was aus Samen gezogen meist mehrere Jahre bedeutet, und Ariocarpus ist noch langsamer und braucht viele Jahre, um Blühgröße zu erreichen. Säulenkakteen sind der Extremfall: Ein Saguaro blüht erst mit etwa dreißig bis fünfunddreißig Jahren, einfach weil er vorher noch nicht die nötige Größe erreicht hat. Wenn eine kleine, junge Pflanze partout nicht blühen will, liegt die Antwort meist darin, dass sie schlicht noch nicht alt genug ist, und keine noch so aufwendige Pflege ersetzt die Größe.
Blühauslöser nach Gattung
Die kalte, trockene Winterruhe ist der gemeinsame Mechanismus, doch die Details unterscheiden sich von Gattung zu Gattung, und erst das passende Protokoll macht aus einem gesunden Kaktus einen blühenden.
Mammillaria bilden ihren klassischen Blütenkranz im Frühjahr, nach einem kühlen, fast trockenen Winter bei etwa 7 bis 13 Grad Celsius über acht Wochen oder mehr; werden sie im Spätwinter wieder in die Wärme geholt und leicht gegossen, blühen sie oft innerhalb von vier bis sechs Wochen. Gymnocalycium blühen im Frühjahr und Sommer nach derselben kühlen, trockenen Ruhephase und tun dies schon jung. Rebutia sind die frühen, üppigen Blüher, sie öffnen ihre Blüten im zeitigen Frühjahr nach einem kalten, trockenen Winter um 10 bis 12 Grad und bedecken eine kleine Pflanze dabei oft vollständig mit Blüten.
Echinopsis, worin heute die frühere Lobivia und Trichocereus aufgehen, liefern das große Schauspiel: große, oft nur eine Nacht offene Blüten nach einem kalten, trockenen Winter ohne Wasser von etwa Oktober bis März. Bleibt die Kältephase aus, warten sie weiter auf eine Jahreszeit, die nie kommt, und blühen nicht. Astrophytum blühen tagsüber gelb während des Sommers, sobald sie ausgereift sind und kräftiges Licht erhalten. Ariocarpus ist die kontraintuitive Gattung, sie blüht im Herbst, im Oktober und November, nach der trockenen Ruhephase des vorangegangenen Winters; ihr vollständiger Zyklus wird im Ariocarpus-Pflegeleitfaden behandelt. Säulenkakteen wie Cereus und Cleistocactus blühen erst, wenn sie ihre Größe erreicht haben, oft Jahre nach der Vermehrung, viele davon öffnen ihre Blüten nachts.
Die einzige echte Ausnahme ist der Feiertagskaktus, Schlumbergera, der Weihnachts- und Thanksgiving-Kaktus. Er ist keine Wüstenpflanze und reagiert nicht auf den Kälte-Trocken-Auslöser; er ist eine Kurztagpflanze, die ihre Knospen als Reaktion auf lange Nächte anlegt, vierzehn oder mehr Stunden ununterbrochener Dunkelheit pro Tag, verbunden mit kühlen Nächten. Schon ein paar Stunden Lampenlicht in der Nacht reichen aus, um die Knospenbildung zu stoppen. Er folgt seinen eigenen Regeln, nicht dem Wüstenkalender.
Wie gibt man einem Kaktus eine Winterruhe?
Das Protokoll ist bei allen Wüstengattungen gleich, nur der Temperaturbereich wird an die Kältetoleranz der jeweiligen Pflanze angepasst. Das Ziel ist eine Pflanze, die trocken in den Winter geht, kalt und hell bleibt und im Frühjahr hungrig aus der Ruhephase erwacht. Die Überlebensseite derselben Ruhephase, wie viel Kälte jede Gattung verträgt und wie man sicher überwintert, behandelt unser Leitfaden zur Kaktus-Winterpflege.
Warum blüht mein gesunder Kaktus nicht?
Wenn eine Pflanze gesund aussieht, aber nie blüht, liegt die Ursache fast immer auf einer kurzen Liste. Sie stand im Winter zu warm, ohne Temperaturabfall, der die Jahreszeit signalisiert. Sie bekommt zu wenig Licht, denn Wüstenkakteen brauchen sechs oder mehr Sonnenstunden, um zu blühen. Sie ist noch zu jung oder zu klein, um Blühgröße erreicht zu haben. Sie wurde mit zu viel Stickstoff gedüngt, was weiches, grünes Wachstum auf Kosten der Blüten fördert. Oder sie wurde den ganzen Winter über durchgegossen und bekam nie die trockene Ruhephase, die Knospen anlegt.
Zwei kleinere Ursachen runden das Bild ab: Eine kürzlich umgetopfte oder an der Wurzel gestörte Pflanze kann sich entwickelnde Knospen abwerfen, daher sollte man in der Ruhephase umtopfen und nicht kurz vor der Blüte, und eine Pflanze in einem wasserhaltenden Substrat tut sich schwer, die trockene Ruhephase gesund zu überstehen. Für die Blüte speziell sollte man in der Wachstumsphase sparsam mit einem stickstoffarmen, phosphorbetonten Dünger düngen statt mit einem allgemeinen Zimmerpflanzendünger, und die Pflanze in einer scharf durchlässigen mineralischen Mischung ziehen, damit die Wurzeln den trockenen Winter unbeschadet überstehen. Die Substratlogik steht in unserem Leitfaden zur Kaktus-Erdmischung, und eine Pflanze, die tatsächlich kränkelt statt nur mit der Blüte zu zögern, gehört in den Diagnose-Leitfaden.
Häufig gestellte Fragen zum Blühen von Kakteen
Warum blüht mein Kaktus nicht?
Meist hat er nie eine kühle, trockene Winterruhe bekommen: Bleibt ein Kaktus den Winter über warm und wird gegossen, wächst er weiter und blüht nicht. Weitere häufige Ursachen sind zu wenig Licht, eine Pflanze, die noch zu jung oder zu klein zum Blühen ist, zu viel Stickstoffdüngung oder ein kürzliches Umtopfen. Wüstenkakteen brauchen einen hellen, kalten, trockenen Winter, um Knospen anzulegen.
Wie bringt man einen Kaktus drinnen zum Blühen?
Gib ihm eine Winterruhe. Stelle das Gießen im Spätherbst ein, bringe ihn an einen hellen, kühlen Ort mit etwa 5 bis 13 Grad Celsius, verzichte auf Dünger und lasse ihn dort mindestens acht Wochen stehen. Im Frühjahr wieder gießen, in die Wärme stellen und sparsam mit einem stickstoffarmen, phosphorreichen Dünger versorgen. Halte ihn in kräftiger Sonne und achte darauf, dass er reif genug ist.
Brauchen Kakteen Kälte, um zu blühen?
Die meisten Wüstenkakteen ja. Viele blühen nicht ohne eine kühle, trockene Ruhephase, oft bei etwa 4 bis 13 Grad Celsius über zwei Monate oder mehr, wobei der genaue Bedarf von Gattung zu Gattung variiert. Der Feiertagskaktus ist die Ausnahme: Er wird durch lange Nächte von 14 oder mehr Stunden Dunkelheit in Verbindung mit kühlen Temperaturen ausgelöst, nicht durch wüstentypische trockene Kälte.
Wie lange dauert es, bis ein Kaktus zum ersten Mal blüht?
Das hängt von der Größe ab, nicht nur vom Alter. Kleine kugelförmige Gattungen wie Rebutia, Mammillaria und Gymnocalycium blühen aus Samen oft schon nach zwei bis drei Jahren. Langsame Gattungen wie Astrophytum und Ariocarpus brauchen mehrere bis viele Jahre. Säulenkakteen wie der Saguaro blühen unter Umständen erst mit dreißig Jahren, weil sie zuvor die nötige Blühgröße erreichen müssen.
Welcher Dünger bringt einen Kaktus zum Blühen?
Verwende in der Wachstumsphase einen stickstoffarmen, phosphorbetonten Dünger statt eines gewöhnlichen, stickstoffreichen Zimmerpflanzendüngers, der weiches, grünes Wachstum auf Kosten der Blüten fördert. Dünge sparsam, nur während des aktiven Wachstums, und niemals während der Winterruhe. Die meisten Kakteen aus mineralischen Standorten brauchen ohnehin nur sehr wenig Düngung.
University of Wisconsin-Madison Horticulture Extension, holiday cactus photoperiod · Clemson Cooperative Extension HGIC, Thanksgiving and Christmas cacti · Royal Horticultural Society, cacti and succulents under glass · Anderson, E.F., The Cactus Family (Timber Press) · Hunt, D., The New Cactus Lexicon (DH Books) · llifle, Encyclopedia of Living Forms · British Cactus and Succulent Society, cultivation notes
Fotos: blühende Parodia von Jamil (CC BY 2.5) und Rebutia von John Rusk (CC BY 2.0), via Wikimedia Commons.
